Christmas Magazine

Home         Essen & Trinken         eInvites         eCards         Magazin         Weihnachtszeit         Dekorieren

Unseren Newsletter abonnieren

 

Übersicht     zurück     weiter

WEIHNACHTSZEIT

Weihnachtsgedichte
Weihnachtsgeschichten
Nikolaus & Weihnachtsmann
De Samichlaus chunnt
Nussknacker Suite
Weihnachten feiern
Weihnachtslieder

Google

Weihnachten mit Hindernissen
Daniela Brotsack

Birgit wusste nicht, wo ihr der Kopf stand. Wie immer, war auch dieses Jahr seit Oktober wahnsinnig viel in der Firma zu erledigen. Doch diesmal war alles ungleich schlimmer als sonst. Ihr Mann war im Frühjahr ausgezogen aus der gemeinsamen Wohnung und hatte sie und den gemeinsamen Sohn Leon zurückgelassen. Also war sie nun alleinerziehen. Und dieses Wort hatte inzwischen – so kurz vor Weihnachten – eine noch ganz andere Dimension erhalten für Birgit.

Wie sollte sie das alles alleine schaffen: die ganzen Vorbereitungen, die der Junge nicht mitbekommen sollte? „Wieso sollte das ein Problem sein“, fragte ihre Freundin Renate, „Leon ist schließlich 12 Jahre alt.“ Birgit sah Renate deprimiert an. „Ich will ihm nicht seinen kindlichen Glauben nehmen. Er hängt sich ganz fest an den Glauben, dass das Christkind wirklich existiert.“

Renate schüttelte den Kopf. „Aber ja doch. Es existiert auch. Aber es ist definitiv nicht für die Geschenke oder den Baum inklusive aufputzen zuständig – oder gar für einen Adventskalender!“

Bei diesen Worten prustete Birgit und dachte an den vergangenen Abend und den frühen Morgen des heutigen Tages. Renate hatte nämlich auf ihr jüngstes Abenteuer angespielt. Wie immer hatte Leon am Vortag, also am 30. November, seinen Wunschzettel geschrieben und mit einer Tafel Schokolade auf den Balkon gelegt. Schon vor Jahren hatten Mutter und Sohn sich auf Schokolade geeinigt. Leon wollte nämlich Gummibärchen fürs Christkind bereitlegen. Aber dem hatte seine Mutter vehement widersprochen. „... weil ich Gummibärchen einfach nicht mag“, wie sie Renate vor langer Zeit gebeichtet hatte.

Nach der Zettelaktion musste Birgit noch einige Dinge im Haushalt erledigen und vergaß darauf, als Leon zu Bett ging. Nach einem langen Abend schlüpfte auch sie unter ihre Daunendecke. Am Morgen jedoch schrak sie hoch, noch bevor der Wecker eine Chance hatte, zu klingeln. „Der Wunschzettel!“

Sie stürmte zu ihrem Kleiderschrank, entnahm dem obersten Fach schnell einen Adventskalender und flitzte blitzschnell durchs Wohnzimmer zum Balkon. Leise öffnete sie die Türe, stellte den Kalender in die windgeschützte Ecke und nahm Wunschzettel und Schokolade an sich.

Kaum hatte sie die Balkontüre wieder geschlossen, hörte sie schon die Zimmertüre ihres Sohnes. Die Schokoladentafel verschwand im Sturzflug hinter dem Fernseher und der Wunschzettel unter dem Gummi ihrer Schlafanzughose, bevor sie die – zum Glück – noch dastehenden Gläser vom Wohnzimmertisch ergriff und mit ausdrucksloser Miene und einem „Guten Morgen“ an ihrem Sohn vorbei in Richtung Küche verschwand. Dort atmete sie erst mal aus. Das hatte sie gerade noch geschafft.

"Es ist doch schön, wenn ein Kind so lange glauben kann! Und da komme ich gleich noch zum nächsten Problem. Ich muss mich einer Operation unterziehen. Dazu muss ich zwar nicht allzu lange im Krankenhaus bleiben. Aber der Termin ist denkbar schlecht: 20. Bis 23. Dezember. Kannst du mir bitte helfen? Denn, sogar wenn Leon nicht mehr an die besonderen Gaben des Christkinds glauben würde, wäre ich vermutlich gar nicht in der Lage, den Baum zu schmücken und alles vorzubereiten."

Renate sah nicht begeistert drein "Puh, da hast du mich aber jetzt erwischt! Natürlich helfe ich meiner ältesten Freundin. Was muss ich tun?" Die beiden steckten die Köpfe zusammen und entwarfen einen Schlachtplan bis ins - fast - letzte Detail."

Dieses eine fehlende Detail kam Birgit ein paar Tage später im Büro wieder in den Sinn.

"Vemaledeit, wie mach ich das nun wieder?" Zufällig kam gerade ein Kollege aus der EDV durch die offene Türe und hörte ihren Ausbruch. "Kann ich helfen?" Birgit sah hoch und grinste. "Ja, vielleicht..." Sie erklärte ihm ihr Problem. Zwei Tage später war dieses Problem gelöst.

Am 23. Dezember kam Birgit mittags aus dem Krankenhaus zurück nach Hause. Leon hatte ein paar Tage bei einer Oma verbracht, weil sein Vater Vollzeit berufstätig war und so kurz vor Weihnachten auch keinen Urlaub nehmen konnte. Mutter und Sohn machten sich einen netten Abend mit einem rührenden Weihnachtsfilm und aßen selbstgebackene Plätzchen. Richtig fit fühlte sich Birgit nicht, sie war noch etwas geschwächt von ihrer Operation. Doch sie dachte an ihr ganz persönliches Christkind und genoss den Abend mit ihrem Jungen.

Nach einem etwas ausgiebigeren Frühstück am 24. Dezember packte Birgit ihren Leon ins Auto und fuhr mit ihm in die Stadt. Zuerst kauften die beiden noch ein paar Lebensmittel, die sie an den Feiertagen brauchen würden. Danach ruhten sie sich in einem Café kurz aus, bevor die Nachmittagsvorstellung im Kino begann. Nochmals ein Weihnachtsfilm. Birgit seufzte und fühlte sich rundum zufrieden. Der nächste Weg führte Mutter und Sohn in die Kirche zur Kindermette. Danach fuhren die beiden nach Hause. Es war schon dunkel und in den Fenstern der Häuser sah man Weihnachtssterne leuchten. Als die Lichter im Treppenhaus angingen, stutze Birgit und schickte ein Gebet gen Himmel. Ihr Herz pochte bis zum Hals: "Bitte mach, dass Leon die Tannennadeln nicht sieht!" Und richtig, es zog sich eine Spur von der Haustüre bis zu ihrer Wohnungstüre im ersten Stock. Doch sie hätte sich keine Sorgen machen müssen - der Junge war viel zu aufgeregt in Erwartung der Geschenke, um solche Kleinigkeiten zu bemerken. In der Wohnung fand sich auch keine einzige Nadel mehr.

Birgit fand auch gleich den Schlüssel der Wohnzimmertüre an dem Platz, den sie mit Renate besprochen hatte. Kurze Zeit später stand Leon unter der Dusche, die ihn nach der kalten Kirche wieder aufwärmen sollte und Birgit kehrte die Tannennadeln im Treppenhaus auf. Dann verschwand sie im Wohnzimmer, legte noch die Geschenke unter den Baum und steckte die Kabel der Lichterketten von Baum und Krippe in die Steckdose. Dann legte sie eine CD in den Player und hoffte, dass alles klappen würde.

Wenige Minuten später war Leon fertig im Bad und kam gestriegelt zu seiner Mutter in die Küche. Er strahlte über das ganze Gesicht und Birgit sah ihm die frohe Erwartung an. Gemeinsam saßen sie am Tisch und spielten ein paar Runden Karten - so, wie jedes Jahr.

Plötzlich hörten sie ein feines Klingeln. "Ja! Mama, das Christkind war da!", sprang Leon auf und zerrte seine Mutter von der Eckbank auf. Diese lächelte und pries ihren Kollegen, der ihr Problem wegen des üblichen Läuten eines Glöckchens mit einer CD mit 20 Minuten Vorlaufzeit gelöst hatte.

Der Abend verlief sehr harmonisch. Leon bekam einige Geschenke, die auf seinem Wunschzettel gestanden waren. Die beiden spielten Spiele und Birgit las eine Weihnachtsgeschichte vor. Dann ging Leon ins Bett.

Als Birgit die Lichterketten aussteckte, erinnerte sie sich an die Tafel Schokolade, die sie vor über drei Wochen hinter den Fernseher geworfen und danach vollkommen vergessen hatte. Sie verrutschte den schweren Kasten mitsamt des Geräts, um in den Spalt zwischen Kasten und Mauer greifen zu können. Ohne etwas sehen zu können, tastete sie nach der Schokolade - und hatte auch bald etwas in der Hand. "Was ist denn das?", verdutzt besah sich Birgit das Päckchen, auf dem ihr Name in einer ihr unbekannten Schrift stand. Darauf zerrte sie den Kasten vollends weg von der Mauer. Keine Schokolade!

Kopfschüttelnd zerriss sie das Geschenkpapier um das Päckchen in ihrer Hand und hielt die Luft an, als sie neben einer kleinen Schachtel ihrer Lieblingspralinen eine CD ihrer absoluten Lieblingsband erkannte. Eine CD, die schon lange nicht mehr im Handel erhältlich war und die sie auch über Ebay nie gefunden hatte. Wer konnte ihr das wohl geschenkt haben? Nachdenklich starrte sie nochmals auf die Karte mit ihrem Namen. "Herzlichst - C.", las sie. In diesem Moment überlegte sie ernsthaft, ob wohl ihr Leon doch Recht hatte mit seinem hartnäckigen Glauben ans Christkind.

Bei Interesse an einer kommerziellen Veröffentlichung dieser Geschichte wenden Sie sich bitte direkt an die Autorin: mit-dem-mut-einer-loewin.de.

Zurück zur Übersicht

 

 

Impressum       Kontakt       Urheberrecht       Sitemap       English Magazine       Magazine Français


© 1999- Christmas Magazine
All rights reserved
Zauber für die Weihnachtszeit

Calla Magazine - Virtually blooming!
Calla Magazine


Christmas Magazine auf Facebook

check us out on Flickr     follow us on Twitter